• Jessica Mertel

Stadt, Land, Haus - Teil 1


Berlincitydad:

Wohnst du noch oder lebst du schon?

Nicht ganz unrecht hat dieses schwedische Möbelhaus mit seiner Aussage, die mit einer Prise Provokation die grundsätzliche Frage nach der Wohnqualität im 21. Jahrhundert würzt. Zum Nachdenken regen die Fragen an, wenn man die lustig-heitere Message des ach so immer gut gelaunten Skandinavischen Volkes mal beiseite schiebt und sich tatsächlich mit der Frage nach der eigenen Wohnsitatuion beschäftigt.

Ganz Deutschland ist von großzügigem Wohnraum und kalkulierbaren Mieten besetzt....ganz Deutschland? Nein, ein von unbeugsamen Berlinern besetztes Dorf im Nord- Osten des Landes widersetzt sich hartnäckig den wohlbefindenssteigernden Eigenschaften einer entspannten Wohnkultur!

Wohnen steht im engen Kontakt mit der Deutschen Meldepflicht und stellt also eine Mischung aus Notwendigkeit und Zwang dar. Jeder Mensch in Deutschland muss wohnen und das an einer Adresse, die es dem Einwohnermeldeamt mitzuteilen gilt.

Heißt nichts anderes als das Wohnen eine Grundpflicht ist. Oder ein Grundrecht? Nun ja, rechtlich gesehen gibt es keine Vorgabe, dass ein Mensch auf einer rechtlich vorgeschrieben Anzahl von Quadratmetern wohnen muss. Da fällt mir doch sofort die Tierschutz- Nutztierhaltungsverordnung ein, insbesondere bezogen auf Legehennen, die besagt, dass alle Hennen "artgemäß" fressen, trinken, ruhen, sandbaden sowie zur Eiablage einen gesonderten Nestbereich aufsuchen können. Sie müssen eine Mindesthöhe von 2 m und eine Fläche von mindestens 2 × 1,5 m haben und mit Nestern, Sitzstangen und Einstreu ausgestattet sein. Die nutzbare Fläche pro Henne muss mindestens 1.100 cm2 betragen.


Und für Menschen?

Ab und an flattert über den Smartgerätbildschirm ein Bericht zur Wohnsituation in Deutschland oder auch der ganzen Welt und mit unterschiedlichen Farben skizziert stellen diese die Facetten des Wohnens global dar. Und in manchen Metropolen Asiens leben Menschen tatsächlich in einer Art Käfig, die vom Verhältnis her nah an der Verordnung für Legehennen liegt. Paradox! Oder braucht der Mensch vielleicht gar nicht mehr als unsere würmerpickenden (im Bestfall) bzw. körnerpickenden Federfreunde?

Das Thema beschäftig mich bzw. uns schon einige Zeit. Ich weiß nicht, wann genau es begonnen hat. Wahrscheinlich mit dem letzten Umzug vor 5 Jahren innerhalb Berlins, der die Kaltmiete um 50% auf ein Niveau erhöht hat (alles freiwillig - niemand beschwert sich), der einen ins Grübeln kommen lässt. Im Vergleich zur Situation 5 Jahre später zwar mittlerweile lächerlich tief für den Stadtteil, aber dennoch weit über dem, was es uns vorher gekostet hat zu leben und auch weit über dem Niveau, das viele Kunden, Bekannte und Freunde noch immer bezahlen, weil sie eben in den letzten 10 Jahren nicht umgezogen sind.


Und auch auf einem Niveau, das es an einen Vermieter zu verschenken gilt und das prospektiv auf die nächsten - sagen wir mal - 30 Jahre, doch Bauschmerzen und Hirnfalten hervorruft.

Auf ein Niveau, das zaghaft auf die nächsten 25-30 Jahre hochgerechnet definitiv einer freistehende Hütte (Einfamilienhaus) mit Garten in nicht allzu schlechter Lage entspricht.... (eigentlich 50 Punkte) vor 5 Jahren!!!

Heute nicht mehr...leider! Dennoch muss es doch auch heute noch möglich sein, auf diesem Niveau - vielleicht etwas dezentraler - sein Geld in Betongold anzulegen anstatt es einem Vermieter in den Rachen zu werfen.

Muss es? Sollte es!


Diese bildhafte Bezeichnung nutze ich explizit nur für Mieten auf hohem und höchstem Niveau - auf dem Niveau vor 10 Jahren bedeutet Mieten einfach nur ökologisches Vorgehen. Die Kaltmiete eines „alten“ Mietvertrages würde nicht mehr ansatzweise auch nur in einer vernünftig bemessenen Lebenszeit dafür genügen, heutzutage eine Einfamilienhaus zu heutigen Kondition zu finanzieren.

Genug der Rechnerei und Thesen. Fakt ist. Wir wollen ein Wohneigentum! Ein Haus!

Am besten freistehend, ist aber kein Muss, mit einem Garten, in den auch ein Kletterturm passt und am besten nicht direkt an einer Hauptstraße.

Warum wollen wir ein Haus? Eine Eigentumswohnung ist doch auch etwas. Oder? Wir sehen das so:

Geht mal aus eurer Wohnung auf die Straße und betrachte euer Mietshaus. Ein Fenster gleicht dem anderen und von Ruhe und Individualität nur eine leichter Hauch, eine Erinnerung an vergangen Zeiten. Die heute an jeder Ecke entstehenden Wohngelände - umgebaute Brauereien, Backfabriken und Krankenhäuser...hunderte von Parteien, die im Zweifel alle etwas Unterschiedliches wollen. Eine Eigentümerversammlung kann da das letzte graue Haar zur Aufgabe zwingen.


Und sind wir mal ehrlich ... währt ehrlich wirklich am längsten? Ist einfacher nicht auch im richtig, auch wenn die Hausordnung was anderes sagt?

Ein Beispiel bei uns:

Es gibt einen Fahrradkeller, den es zum Unterstellen der Fahrräder zu benutzen gilt. Alles schön und gut, aber es gibt ausreichend Personen, die finden es umständlich, ihr Fahrrad in einen Fahrradkeller zu bringen und morgens wieder rauszuholen. Könnte ja 1,5 Minuten länger dauern. Stattdessen ist es doch angenehmer, das Rad direkt vor der Wohnungstür abzustellen oder am besten dort, wo man morgens eh das Gelände verlassen muss.

Das ein Fahrrad wohl den Kohl nicht fett macht, ist klar, aber es kommen ja noch ein paar andere Cleversten auf diese Idee. Und ruck zuck sind Fluchtwege, Feuerwehrzufahrten und einfach Fußgängerdurchlässe ein reiner Hindernisparcour.

Es wohnen in unserer Anlage auch Menschen, die stellen vorsätzlich - selbst mit Ketten am Boden befestigte- Pylonen in Durchgangswege, um vorsätzlich andere an der Durchfahrt zu behindern....Dekadenz deluxe...

Aber genug zu den menschlichen Abgründen. Diese sind aber definitiv der Hauptgrund, ein Haus und keine Wohnung erstehen zu wollen.


Das zweite Argument für ein Haus ist folgendes:

Wenn es in unseren Breiten ab Ende Oktober schon am Nachmittag dunkel wird und zu gegebener Zeit auch besonders häufig nass, dann hat man in der Großstadt mit Kind einfach keine Möglichkeiten mehr, entspannt nach draußen zu gehen und einfach die Natur zu erleben.

Durch die Straßen der Großstadt tingeln, in denen sich die Autos drängen wie Eier in der Eierschachtel, die Emotionen hochkochen wie 5-Minuten-Eier im kochenden Wasser und eben jene anscheinend auch mal die kräftig gegeneinander rasseln...mutmaßlich - bei der Zunahme an Sirenen und Blaulicht in den letzten Jahren. Erschreckend. Und erdrückend!

Lärm und Hektik, aber von Grün, Erholung und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung kaum eine Spur. Kindercafés, Indoorspielplätze mit Ohnmachtsgefahr (gemessen an der Luftqualität) oder vollgestopfte Vereine und Schwimmbäder...alles nicht das, was zumindest wir suchen.


Den eigenen Garten kann ich illuminieren wie uns das gefällt und selbst bei Regen kann man mit Gummistiefeln nach Regenwürmer buddeln.

In den nahegelegen Wald gehen, an den See oder über die Felder streifen. Was auch immer, es dient allen. Und ist bei Regen und passender Kleidung sogar ganz atmosphärisch.

Das ist keine These, das ist Erfahrung.

Ich hatte nämlich das Glück in einem Haus aufzuwachsen, mit einem großen Garten und allerhand Möglichkeiten, im Wald nebenan mit Freunden die Zeit zu verbringen. Ob das Fahrradfahren, Ballsportarten, verstecken oder einfach nur austoben war.

Unersetzlich! Und für alles andere gibt es Mastercard! ;)


Nein, im Ernst:

Wie steht dem eine standardisierte Wohnung in einer Großstadt gegenüber?

Ich sage bewusst Großstadt, denn ich bin sicher, dass es in etwas weniger dicht besiedelten Regionen auch möglich ist, aus dem Mietshaus um die Ecke aufs Feld zu gehen oder in einen Gemeinschaftsgarten. Aber in der Großstadt ist das eben nicht die Regel.


So, über Umwege zurück zum Thema.

Wir wollen also ein Haus, ein eigenes! Aber wie kommen wir denn nun an so ein Haus?

Im Zweifel ist das nämlich so utopisch wie einfach mal nach Neuseeland auszuwandern.

Denn - und das spannt den Bogen zurück zur Einleitung - dafür braucht man Geld, viel Geld.

Die Preise sind einfach der absolute Wahnsinn mittlerweile!

Natürlich ist es in Regel erstmal nicht das eigene Geld, das hierfür zu Rate gezogen werden muss. Wessen also dann? Das der Bank, natürlich!

Und dennoch ist es so, dass Recherchen bei den üblichen lokalen Anbietern von Wohnimmobilien ergibt, dass ein fertiges Haus, am besten auch nicht so alt, eine meist teurere Variante darstellt, als selbst zu bauen (zu lassen) bzw. alternative Modelle zu erforschen.


Deswegen habe ich angefangen, mich mit variierten Wohnmodellen zu beschäftigen und dabei auf solch klangvolle Namen wie Flying Spaces, Mobile Lofts, Green Living Spaces, Tiny Homes oder Tiny Houses (on wheels) gestoßen. Alle vereinen die Idee des modularen Wohnens, meist auf Basis von Holzhäusern, um natürliche Rohstoffe zu verwenden und die Energieeffizienz auch nicht außer Acht zu lassen. Schließlich herrschen hier heutzutage strenge Vorgaben seitens unser Bundesregierung.

Mittlerweile sehr angetan von der Idee des Small Living, des reduzierten Wohnens.

Das sind Konzepte, die auf einer Wohnweise auf deutlich weniger Quadratmeter basiert als das normale Durchschnittshaus beinhaltet.

Natürlich muss man hier auch Wohnflächen von 20-30 m2 erwähnen wie man sie in Tiny Houses findet. Allerdings wäre uns das mit Kind und Hund doch etwas wenig. Aber gerade 70 oder etwas mehr Quadratmeter, modular erbaut, erweiterbar oder auch versetzbar von Ort zu Ort bewegbar (ok, wird nicht günstig, macht man aber auch nicht wöchentlich).


Macht das alles Sinn? Nun ja, die Frage stellt sich eher „Geht das?“

Denn Sinn macht es allemal, da wir hier von einem finanziellen Rahmen von 30 Tausend Euro bis 130 Tausend Euro sprechen (ohne Bauplatz), was weit, weit weg ist von dem Preis für ein standardisiertes Einfamilienhaus. Wenn der finanzielle Rahmen, das Lebenskonzept oder die Ablehnung eines Kreditrahmens, der einem 35 Jahre auf den Schulter klebt, es erfordern, dann stellt das mitunter die einzige Option dar, um in seiner gewohnten Region wohnen zu bleiben und dennoch in den eigenen 4 Wänden zu wohnen.

Wie wohnt es sich denn in einem solchen verkleinerte Konzept? Keine Ahnung! Genau das müssten wir erstmal herausfinden, wenn es sich tatsächlich herausstellen sollte, dass es für uns in diese Richtung gehen soll.

Mit einem kleinen Kind mag es anfangs auch viel leichter sein. Aber man muss auch daran denken, dass wenige Jahre später ein dritter Erwachsener mitwollt und seinen eigenen Raum braucht. Gut, wiederum einige Jahre später werden sie dann flügge und man alles wieder für sich alleine. Dafür bieten die modularen Modelle aber eben auch entsprechende Erweiterungsoptionen.

Oder man stellt für den Sprössling eine coolen Bauwagen in den Vorgarten, quasi, die eigenen Prinzessinnenburg. Auch ziemlich Cool.


Fakt ist, ich bin total von der Idee überzeugt und begeistert und hätte auch riesig Lust, daraus eine große Reise mit regelmäßigem Teilen unserer Erfahrungen über den Blog oder Instagram zu machen. Einfach weil ich denke, dass es sehr vielen Menschen so geht. Der Wunsch nach den eigenen 4 Wänden, nach Unabhängigkeit und Individualität.

In Deutschland stößt man leider - wie so oft - an bürokratischen Grenzen, wenn es zum Beispiel um Tiny Houses on Wheels geht. Das sind die kleinsten Häuser (bis ca. 30 Quadratmeter), die mit entsprechenden Zugkraft (3,5 Tonnen) als Anhänger über die Straßenlandschaft bewegt werden dürfen. Soweit, so gut.

Am Straßenrand abgestellt werden dürfen sie auch. Aber Übernachten darf man in Deutschland nicht darin, wenn sie nicht auf einem Grundstück mit bewilligtem Bauantrag stehen!!! JA, richtig gelesen. Ein Haus, das täglich durch die Gegen gefahren werden darf, darf nur wohnlich genutzt werden auf Bauland! Diese Gesetzeslage behindert leider noch sehr die Flexibilität der Idee. Denn wer denkt, dass das doch prima wäre, so ein Häuschen auf einem Pachtgrundstück im Grünen abzustellen, der irrt. Wenn dort kein ausgewiesenen Bauland vorliegt, dann ist das verboten.

Und dann sind wir wieder beim Thema: Unabhängig von der Größe des Wohnmodules brauche ich also Bauland!

Wo kriege ich nun dieses Bauland her, das am besten auch nicht allzu weit weg liegt von meiner Stadt, in der ich arbeite.

Wir sind da schon so weit, dass wir gar nicht mehr explizit sagen, dass wie unbedingt innerhalb der Berliner Stadtgrenze wohnen müssen.

Vor den Toren ist es ja auch ok, sogar auch grüner und vielleicht sogar etwas friedlicher.

Aber ganz weg aus der Region geht halt in den meisten Fällen nicht so einfach, denn sowohl der Job als auch das soziale Umfeld spielen einfach eine zu große Rolle im Leben eines Menschen als dass das einfach so über Bord geworfen werden kann (und sollte).



Denn natürlich könnte man ja wegziehen in einen strukturschwächeren Raum. Mit geringeren Kosten für Land und Haus. Aber was ist das mit dem Job? Ohne Job braucht man gar nicht mehr darüber nachdenken, irgendwas irgendwo zu erwerben. Thema Kreditwürdigkeit.

Für uns ist es klar, dass wir zunächst in Berlin (und Umland) bleiben für die nächsten 4-6 Jahre. Danach werden wir sehen, ob sich durch die Investition - wie eben eine Immobilie - der regionale Verbleib hier lohnt oder ob man doch ganz woanders einfach das Risiko eingeht, ganz von vorne anzufangen.

Mit Kind muss man natürlich extrem viel Rücksicht nehmen, denn wenn erstmal die Schulpflicht ins Leben einzieht, dann sind Ortswechsel gerade für Kinder oft ein Verlust von Identität und können zu Anpassungsstörungen führen.

Aber das soll hier und jetzt noch nicht Thema sein.

Um diesen Artikel zu ende zu bringen, noch zu guter Letzt diese Information.

Wir haben den ersten Schritt getan und uns mit einem Finanzdienstleister über unseren finanziellen Spielraum beraten.

Nun sind wir schlauer und können auf die Suche gehen.

Dazu gibt es dann bald hoffentlich mehr - hier an dieser Stelle. Bleibt gesund und fröhlich!

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