• Jessica Mertel

So viel "Eltern" und so wenig "Paar"? - Wir sagen: "es geht beides" Die Grautöne machen die Musik!

Aktualisiert: 3. Apr 2019

Wahre Liebe passiert nicht sofort; sie ist ein stetig wachsender Prozess. Sie entwickelt sich nachdem man durch viele Höhen und Tiefen gegangen ist, wenn man gemeinsam gelitten, gemeinsam geweint und gemeinsam gelacht hat. - Ricardo Montalban

Berlincitydad schreibt:

Fangen wir heute doch mal wieder ausnahmsweise mit einer Aufgabe an.

Ich möchte, dass sich jeder Leser überlegt wie die (seine) ideale Beziehung aussieht.

Mit allen Facetten wie Paarzeit, gemeinsamen Interessen, Gefühlen oder auch kommunikative Basis mit Streits, Diskussionen oder auch einfach gute Gespräche.

Und dann soll jeder diese idealisierte Vorstellung eine Beziehung mit der seinen abgleichen.



Wie sieht das Ergebnis aus?

Wer hadert sowieso grundsätzlich mit seiner Beziehung?

Wer erkennt Differenz zwischen Ideal und Realität?

Oder wer ist einfach grundsätzlich zufrieden mit dem Ist und vertritt die Meinung, dass es nie DIE ideale / perfekte Beziehung gibt und akzeptiert, dass es Abschnitte / Phasen im Leben gibt, die die Qualität einer Beziehung erhöhen oder auch senken können?


Was man als Eltern-(Paar) ja oft gefragt wird, ist die unterschwellige - und doch als Frage formulierte - Aufforderung, auch auf jeden Fall ausreichend „Paar-Zeit“, dass heißt die Zeit alleine - ohne Kind, zu verbringen. Dies scheint eine allgemein gültige Auffassung von einer guten, qualitativ hochwertigen Beziehung zu sein.

Ausgedehnte Abende in Restaurants oder Bars, kulturelle Ergüsse in analoger (Oper, Theater, Museum) oder digitaler (Kino) Umgebung oder gar Urlaubsreisen ohne den (die) Knirps(e).

Unabhängig davon wie man auf diese „Frage“ antwortet, findet eine Bewertung statt. Da der Fragesteller ja schließlich etwas mit seiner Frage bewirken möchte, sei es reines Interesse oder auch Diskussionsbedarf oder einen (stillen) Vergleich mit seiner eigenen Situation.


Ich weiß nicht wie viele solcher Diskussionen / Meinungsaustausche (freundlicher Art) ich schon seit der Geburt meiner Tochter geführt habe, aber es waren SEHR viele.

Und dabei habe ich wirklich sehr viele Facetten an individueller Auffassung von Paar-Zeit kennengelernt.

Manche haben schon seit der Geburt die Verwandten oder auch Freunde sehr stark in der Betreuung ihres Kindes miteinbezogen, um (nicht ausschließlich deswegen natürlich) auch früh schon ein „Fremdeln“ des Kindes bei Fremdbetreuung zu unterbinden.

Mit dem (selbsternannten) Vorteil, eben schon früh nach der Geburt wieder mit den alten Schemata bezüglich soziales Verhalten / Umfeld zu beginnen.

Ich habe vernommen wie wichtig manchen Restaurantbesuche sind und dass diese Gewohnheit unter jeglicher Anstrengung wieder schnellstens aufgegriffen werden muss.

Andere scheinen quasi nicht lebensfähig zu sein, wenn sie nicht mindestens einen Tag am Wochenende so lange ausschlafen können wie sie das konnten noch bevor der Nachwuchs geboren wurde. Dafür muss das Kind dann aber die Nacht bei den Großeltern verbringen.

Dritten ist es sehr daran gelegen, das MiniMe tagsüber abgeben zu können, um den Körper möglichst schnell wieder im Fitnessstudio zu formen oder auch einfach „sich selbst zu sein“ in der neuen Rolle des Fremdbestimmtsein.

Wie dem auch sei und was auch immer die Gründe dafür sind, die individuellen Wünsche post partum um- oder auch durchzusetzen, das soll bitte jedem selbst überlassen sein. Natürlich herrscht unter Menschen eine unnachgiebige Gier und Sucht danach, alles über andere zu erfahren und im Zweifel festzustellen, dass man selbst alles besser macht oder auch besser aufgestellt ist.



Ich - für meinen Teil - lasse jeden das seine. Ich finde es hochrespektabel, wenn jemand schon im ersten Lebensjahr des Kindes einen oder vielleicht auch sogar mehrere Urlaube ohne sein Kind verbracht hat. Nicht, weil ich es für eine bessere Entscheidung halte als mit Kind zu verreisen, nein! Sondern weil ich weiß und auch von den entsprechenden Eltern im Gespräch erfahre, dass das Zurücklassen des Kindes in Omas (Opas) Arm eine großes emotionales Dilemma auslöst. Alles andere wäre natürlich auch ungewöhnlich.

Aber offensichtlich ist der Wunsch nach Zweisamkeit dann doch größer als der emotionale Schmerz der Trennung vom Kind.

Aber dann ist das auch ok.


Ich finde es auch ok, wenn jemand Babysitter einsetzt, weil ein gesellschaftliches Event ansteht, das mitunter beruflich oder auch einfach nur privat die Anwesenheit beider Elternteile erwünscht. Idealerweise natürlich eine enge Bezugsperson für das Kind.

Und genauso sollte es eben im Umkehrschluss in Ordnung sein, wenn jemand das genau andersherum praktiziert.

Nun ist es ja sinnvoll, dass ich meine (unsere) Einstellung oder auch einfach bisherigen Erfahrungen und Entscheidungen zu diesem Thema wiedergebe, oder? ;)

Nun, ich habe schonmal in einem früheren Artikel (zum Thema Vereinbarkeit(slüge)) geschrieben, dass meine Einstellung zur Fremdbetreuung oder auch der Rückkehr der Frau in den Job VOR und NACH der Geburt völlig gegensätzliche waren.

Dies ist auch im Bezug auf Fremdbetreuung und Wiederaufnahme von Freizeitaktivitäten der Fall. Was haben wir zuvor - vor der Geburt - unternommen? Wir waren natürlich im Kino, natürlich in Restaurants und natürlich auch auf Events und im Urlaub.


"Einander zugewandt sein" - unser Liebesrezept / Foto-Credits: Manuela Clemens

Wir waren glücklicherweise nach der Geburt und auch heute noch bisher nicht auf fremde Hilfe angewiesen. Ganz selten Mal geht die Berliner Oma mit zu einem Arzttermin von berlincitymum, weil ich es nicht einrichten kann, zu dieser Zeit mit der Kleinen Zuhause zu sein. Das kommt aber doch recht selten vor, da ich aufgrund meiner Selbstständigkeit sehr flexibel bin.

Dadurch, dass ich von Anfang an den Kitaalltag unsere Tochter manage, gibt es dort dann auch keine Überraschung, die das schnelle Einspringen einer „fremden“ (anderen) Person (außer Mama und Papa) erfordern.

Und hey, wir leben in Berlin. Das hat nicht immer - und eigentlich sogar eher weniger - Vorteile, aber wenn es darum geht, dass ich Essen nach hause geliefert bekommen kann, dass der Qualität einer Speise im Restaurant in nichts nachsteht, dann schmerzt es mich auch nicht so sehr, nicht in einem überfüllten Raum mit vielen Menschen zu sein (die mir eh fremd sind).

Gut, etwas polemisch, aber so sehen wir das nun mal - Couchpotatoe-Style, ihr versteht...

Wir gehen tatsächlich nur mit unserer Tochter in Restaurants. Im ersten Lebensjahr ist es ja eh kein Problem; die Kinder schlafen eh viel und oft und überall. Und heute nach nun schon 4 Jahren wird es auch immer entspannter - dazwischen haben wir es schlicht und einfach gelassen (ja, ihr lest richtig - wir waren so ca. 3 Jahren nicht in Restaurants). Es ist dann natürlich nicht so ausgedehnt und erfüllt von schmachtenden Blicken, aber dafür ist es GEMEINSAME Zeit mit dem Kind.

Fremdbetreut an 7-8 Stunden am Tag möchte ich dann wenigstens am Nachmittag doch so viel Zeit wie möglich mit der kleinen Maus verbringen. Mit ihr lachen und den Tag Revue passieren lassen.

Analog zu den Restaurantbesuchen steht auch das Thema Kino.

Während vor einigen Jahren noch der Gang zur Videothek die einzige Alternative zum Kinobesuch darstellte, sind heute mit den Platzhirschen (bitte hier wahlweise die Namen verschiedener Streaming-Diensleistern einsetzen) einige Anbieter in aller Munde und aller Haushalte, die einem die Blockbuster zuhause auf der gemütlichen Couch genießen lassen. Gut, nicht ganz so aktuell wie im Kino, aber in der Chronologie der Verfügbarkeit ist die Reihenfolge zuhause nicht anders. Kommt ja immer auf den Blickpunkt an, wann man mit welchem Film beginnt. Zudem sind ja heutzutage Serien die neuen Blockbuster und die gibt es im Kino auch nicht.


Womit wir zum Thema kommen, warum der Abend auf der Couch auch seine Vorteile haben kann. Erstens sind wir abends meist viel zu müde, um noch die Aufmerksamkeit und Konzentration für einen langen Abend im Kino oder Restaurant aufzubringen. Und zweitens hat sich damit auch die Frage nach der Kinderbetreuung erübrigt.

Dazu noch eine hocharomatische Spezialität aus dem Süden Vietnams von unserem Lieblings- Lieferdienst und besser kann der Abend gar nicht laufen. Friedlich schlummert unser kleiner Schatz nebenan und es gab weder stressige Situationen beim Thema Zubettgehen, Zähneputzen oder Wachbleiben.

Also, ihr seht schon, summa summarum, findet bei uns die Paar-Zeit eher zu Hause statt und dann natürlich wenn unsere Tochter im Bett liegt. Zum Glück ist es mit ihr ganz unkompliziert, sich zu Bett zu bringen. Keine 5 Minuten später schläft sich tief und fest.


Zudem haben wir ja noch unsere Hobbys, die viel mit der digitalen Welt zu tun haben. Das Führen und Pflegen des Blogs, der Social Media Accounts oder die Bearbeitung von Fotos. Das will auch alles noch am Abend getan werden.

Und nun stelle ich mir die Aufgabe, wie sieht meine ideale Beziehung aus und gleiche sie mit dem Ist-Zustand:

"Und ich komme zu dem Schluss, dass alles an dem Platz ist, an den es gehört. Ich bin äußerst zufrieden genau so wie es ist. Wir sind nicht nur Eltern, die sich lieben, wir sind auch liebende Eltern in einer liebevollen Familie und genau das ist es, was wir jeden Tag leben und geben. Ein glückliches, ausgeglichenes Kind und schöne Stunden zu zweit - mehr geht nicht.

Und ist die Beziehung nicht auf dem höchsten Niveau, wenn das Gesamtgefüge Familie harmoniert und einfach alles perfekt funktioniert? Denn an einem kranken Baum blühen keine grünen Blätter."


Mit der Liebe im Bauche / Fotocredits: Manuela Clemens

Morgen lest ihr die Meinung von berlincitymum zu diesem Thema. Seid gespannt!

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