• Jessica Mertel

Mit Anakondas und Vogelspinnen im thailändischen Dschungel übernachten...


Nathalie und ihr Sohn

Liebe Nathalie, stell dich doch erst einmal unseren Lesern vor: wer bist du und was machst du?

Ich bin Nathalie, 31 Jahre, Teilzeithippie-Chaos-Organisations-Reise-Freestyle-Mama aus Berlin. Dort sucht man uns allerdings oft vergeblich. Mein Kleiner und ich lieben es nämlich die Welt zu bereisen. Mittlerweile sind wir bei Land Nummer 16 angekommen. Über unsere Reisen berichte ich auf www.instagram.com/mom_and_a_half_man


Du hast einen Sohn oder eine Tochter?

Einen kleinen Superhelden namens Marvel :)


Wie kamst du zu dem Thema „Reisen“?

Ich habe es schon immer geliebt fremde Kulturen kennen zu lernen. Davon wollte ich mich nicht durch meine Mutterschaft nicht abbringen lassen. Glücklicherweise hat Marvel wohl mein Abenteuer-Gen geerbt und ist der tollste Travelbuddy, den man sich wünschen kann. Durch ihn erlebe ich Orte wortwörtlich aus einer neuen Perspektive.


Was war für euch die eindrucksvollste Reiseerfahrung?

Es startete mit der anstrengendsten Aktion meines Lebens. Wir sollten im thailändischen Dschungel mit dem Auto hoch auf 1400 Meter zu einem sehr ursprünglichen Bergdorf gebracht werden. Am Treffpunkt angekommen teilte man uns mit, dass es unmöglich sei das Auto zu nehmen, da es in der Nacht vorher geregnet hatte. Der Boden war zu rutschig. Man bot uns an zusammen mit einem Guide hoch zu wandern, unser Rucksack wurde von einem Dorfbewohner mit dem Roller hoch transportiert. Da es sich bei den Organisatoren um Bekannte einer Freundin handelte, vertraute ich ihnen und entschied mich für die Wanderung. Das habe ich schnell bereut. Da es sich um dichten Dschungel handelte, konnte sich Marvel nicht frei bewegen. Ich habe also ein 17 Kilo Kleinkind 4 Stunden lang durch den schwülen Dschungel getragen. Oben angekommen hatte ich vor lauter Erschöpfung keinen Blick mehr für meine Umwelt und Marvel ist irgendwann auf meinem Arm eingeschlafen.

Die Sonne ging langsam unter. Die Nacht sollten wir zusammen mit 2 anderen Backpackern und Einheimischen mit Moskitonetzen unter freiem Himmel verbringen. Es gab noch einen kleinen undefinierbaren Snack am Lagerfeuer und dann ab unter die Decke. Es war unglaublich, inmitten all dem Zirpen, das leise Atmen meines Sohnes und über uns ein schwarzer Himmel gefüllt mit Abermillionen von Sternen. Am nächsten Morgen kitzelten uns die ersten Sonnenstrahlen wach. Alles war klamm, aber der Blick war atemberaubend. Das Tal zu unseren Füßen war wolkenverhangen und ich fühlte mich dem Himmel ganz nah.

Auf unserem Rückweg (übrigens mit dem Auto) erfuhren wir dann, welche Tiere dort lebten. Zum Beispiel Anakondas und Vogelspinnen. Ein Glück wusste ich das vorher nicht, sonst wäre uns diese wunderbare Erfahrung durch die Lappen gegangen.

Unten im Tal trafen wir auf einen Mann, der mit zwei Elefanten lebte. Wir kamen ins Gespräch. Zusammen sind wir zu einem Wasserfall gewandert und hatten für 2 Stunden die Möglichkeit, hautnah Zeit mit freilebenden Elefanten zu verbringen. Unbezahlbar.


Wie managed du das alles? Kind, Job, Reisevorbereitungen? Und woher nimmst du die finanziellen Mittel – Reise ist ja heutzutage eine sehr teure Angelegenheit, oder?

Zwei dieser Fragen kann ich mit einem Satz beantworten: Durch Absoluten Willen und den Verzicht auf Unnötiges. Das trifft sowohl auf die Frage zu, wie ich alles manage, sowie auf die Frage nach den finanziellen Mitteln. Unser Alltag ist bei uns durchgetaktet. Gerade da ich alleinerziehend bin, ist Struktur für mich das A und O. Ich lebe nach dem Vorsatz “sammle Momente, nicht Dinge”. Daher lasse ich nur in unseren Alltag, was wirklich wichtig ist. Damit uns noch Zeit für die schönen Dinge des Lebens bleibt. Pfützen springen zum Beispiel. Oder Eis essen. Geld für Materielles spare ich mir immer öfter und investiere es in unsere Reisen.

Auf Reisen leben wir sehr sparsam und orientieren uns an den Einheimischen. Zudem sind wir immer Low Budget unterwegs. Das passt einfach am Besten zu unserem Naturell und unserem Geldbeutel. Außerdem habe ich - ich mache was mit Social Media, wie sollte es auch anders sein - einen Job gewählt, den ich von viele Orten der Welt aus machen kann.


Was unterscheidet dich vllt. von anderen Mamas?

Ich denke jede Mama hat ihren ganz eigenen Weg gefunden, um mit ihrem Kind und ihrer Rolle als Mutter umzugehen. Ich für meinen Teil beobachte oft, dass ich wesentlich weniger plane als andere und mich stattdessen oft von meinem Herzen leiten lasse. Marvel erziehe ich bedürfnisorientiert. Dabei geht es mir aber nicht nur um seine, sondern eben auch um meine eigenen Bedürfnisse. Wenn ich die Wünsche von uns beiden vereinen kann, bin ich happy.


Gab es je eine Situation, in der du dich unwohl oder unsicher auf deinen Reisen gefühlt hast?

Glücklicherweise hatte ich noch keine wirklich unsichere Situation auf Reisen. Ich bin ein absoluter Bauchmensch. Mein Bauchgefühl hat mich wirklich noch niemals im Stich gelassen und sicher vor der ein oder anderen Situation bewahrt. Habe ich ein ungutes Gefühl, begebe ich mich nicht in eine Situation. Das mag in diesem Moment für Außenstehende unverständlich sein, aber ich sehe dies als meine Verantwortung als Mutter.


Welche Tipps kannst du unseren Lesern für Reisen mit Kindern geben?

Nur diesen einen Tipp: Tut es. Der Wunsch zu reisen schlummert in vielen Eltern. Oft wird dieser Wunsch durch Ängste verdrängt. Wenn man sich diese Ängste genauer ansieht, sind die “Worst-Case-Scenarios” oft vermeidbar durch gute Planung im Voraus. Reisen mit Kind ist eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Für alle Beteiligten.


Sonnenuntergang auf Reisen


Was sind deine absoluten „Travel-Go’s“ und „Travel-No’s“?

Travel Go´s: Es gibt eine Art Sicherheitsnetz, das ich im Vorfeld “spanne”, sodass wir im Notfall “weicher fallen”. Das Thema Krankheiten sollte beispielsweise im Vorfeld behandelt werden: man sollte sich mit notwendigen Impfungen auseinandersetzen, eine gute Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport abschließen und die wichtigsten Symptome sollten klar sein, damit Krankheiten frühzeitig erkannt werden können. Zudem trage ich mich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes ein, damit meine Angehörigen im Notfall benachrichtigt werden können und nach uns gesucht wird.

Travel No-Go´s: Plant nicht jeden Schritt im Voraus. Mit Kindern werden eure Pläne in den seltensten Fällen aufgehen. Das erspart Frustration und Stress. Zudem sieht man viel mehr, wenn man anstatt dem direkten Weg zu folgen auch mal nach links und rechts blickt. Das gilt auch für das Leben generell.


Wohin geht die nächste Reise? Oder bereist ihr gar die ganze Welt?

In einigen Tagen machen wir einen Roadtrip durch Schottland, auf den ich mich schon unglaublich freue. Die ganze Welt bereisen möchte ich unbedingt. Aber in Etappen. Eine feste Basis ist sowohl für Marvel als auch für mich sehr wichtig. Im Januar waren wir in Kuba, von der Sonne die wir mitgebracht haben, zehren wir noch heute. Winter in Berlin ist hart und grau, haha.


Natur pur


Und abschließend noch für dich unsere Rubrik 5von5 – 5 Fragen – 5 Antworten (ohne groß darüber nachzudenken):


Strand oder Berge?

Mhh, eigentlich am liebsten Strand und Berge. Wenn ich mich entscheiden muss, entscheide ich mich aber für Berge und baden in Bergseen :)


Flugzeug oder VW-Bus?

Auf jeden Fall VW-Bus. Allerdings bräuchte ich mit diesem Bus auch den passenden Schrauber. Die alten Hippiebusse machen öfter schlapp und von Autos verstehe ich nicht viel. Leider.


Camping oder Hotel?

Camping. Ganz klar. Wir sind eher die rustikalen Typen.


Trage oder Kinderwagen?

Ich habe das Tragen geliebt, leider ist der Kleine mittlerweile so groß, dass wir grundsätzlich mit Buggy verreisen.


Buch oder Hörbuch?

Ich träume davon ein Buch zu lesen. Eltern werden mir zustimmen: ein Ding der Unmöglichkeit mit kleinen Kindern. Daher gebe ich mich vorerst mit Hörbüchern zufrieden. Die halten auch das Gepäck schmal :)


Danke Nathalie für dieses tolle Interview! Wir wünschen dir eine tolle, nächste Reise und viele unvergessliche Abenteuer.



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