• Jessica Mertel

"Kinder an die Macht" - Gedanken zum Tag der Kinderrechte

Aktualisiert: 3. Apr 2019

(Anzeige da Markennennung I unbeauftragt und unbezahlt)

Heute ist internationaler Tag der Kinderrechte.

Nun, welche Rechte haben Kinder heutzutage? Wie war es vor 100 Jahren - was hat sich seitdem getan? Und die wohl wichtigste Frage ist: wo gibt es heute noch Handlungsbedarf?



Seit dem Zeitalter der Aufklärung (davor herrschte quasi Sodom und Gomorrah - ich möchte hier gar nicht näher darauf eingehen, weil Kinder wirklich GAR KEINE Rechte hatten) und der Verkündung der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte durch die französische Nationalversammlung 1789 heißt es

"die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es."

- immerhin, ein Anfang, wenn auch das Thema Kinderarbeit während der Industrialisierung hier keine Beachtung fand. Die gab es noch bis 1833 vollumfänglich, erst ab da wurde diese ab 9 Jahren erlaubt, 1838 wurde die Kinderarbeit auch in Preußen altersabhängig eingeschränkt. Trotzdem standen tausendfach Kinder und Jugendliche in Fabriken an den Hochöfen und Fließbändern, meistens für 10 Stunden pro Tag - für uns heutzutage unvorstellbar, oder?


Und heute?

"Nach einer Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gehen rund 250 Millionen Kinder (unter 15 Jahre) einer regelmäßigen Arbeit nach. Sie arbeiten in Bergbaustollen, auf Großplantagen, in Teppichknüpfereien, in Hotelküchen, auf Märkten oder als Hausangestellte. Viele dieser Tätigkeiten mit niedrigster Bezahlung haben die Grenze zur Ausbeutung deutlich überschritten und ähneln eher Sklavenverhältnissen, wie etwa bei der völligen Abhängigkeit als Hausangestellte oder in Bordellen. Die UN-Menschenrechtskommission schätzt den Anteil jener Menschen, die unter sklavenähnlichen Bedingungen leben, weltweit auf rund 200 Millionen; der Anteil der Jugendlichen daran ist sehr hoch." (Quelle: bundeszentrale für politische Bildung)


Die Prügelstrafe, körperliche Züchtigung und die gezielte Unterwerfung von Kindern und Jugendlichen ist um 1900 immer noch gängiges Mittel - wer sich ein bisschen mit dem deutschen Recht auskennt weiß, dass bis 2000 (!) das Mittel der körperlichen Gewalt komplett straffrei, also ein Teil unserer Gesellschaft war. Seit 2000 regelt der § 1631 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB):

"Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig."

Seit 18 (!) Jahren also wird Züchtigung strafrechtlich verfolgt... das muss man sich einmal bewusst machen. Somit fällt unsere Generation an Müttern und Vätern in eine Kinderzeit, in der körperliche Auseinandersetzungen einerseits ungeahndet blieben, andererseits einfach gängig waren. Ich kenne kaum eine Person aus meinem Bekannten- und Freundeskreis, die Schläge, Ohrfeigen & Herabwürdigungen nicht kennen, mich eingeschlossen. Dabei will ich gar nicht die Generation unserer Eltern in Beschuss nehmen - sie wussten es nicht besser, auch wenn ich aus heutiger Sicht und mit meinem "Muttersein" den reinen Akt der Gewaltausübung nicht nachvollziehen kann. Ich könnte meiner Tochter gegenüber niemals die Hand erheben, egal in welcher Situation. So wie wir heute "attachement parenting" und bedürfnisorientiertes Miteinander selbstverständlich leben, so war damals der Klapps auf den Po "halb so schlimm" - was das mit Kinderseelen angerichtet hat sei mal dahin gestellt... was das mit Kinderseelen heute anrichtet, ist fachkundlich bekannt. Juuls, Remo H. Largo und so viele andere... sie alle sprechen sich für eine gewaltfreie Erziehung aus, für ein "auf Augenhöhe kommunizieren" - in der Praxis ist es in so vielen Kulturkreisen, Bevölkerungsschichten und Ländern aber noch lange nicht selbstverständlich. Traurig, aber leider die Realität.


Seit 1919 existiert in Deutschland die allgemeine Schulpflicht, es ist eine Pflicht, aber eben auch ein Recht. Wie schaut das außerhalb Deutschlands aus?


Mit der Weltkonferenz "Bildung für alle" 1990 im thailändischen Jomtien ist eine internationale Initiative in Bewegung gesetzt worden, die sich zum Ziel gesetzt hat, bis zum Jahr 2015 allen Kindern dieser Welt eine Grundschulbildung zu ermöglichen. Die Industrieländer haben damals massive Unterstützung zugesagt. Hier bedarf es dringend einer Trendwende: "Zwischen 1980 und 1987 fielen in Lateinamerika und der Karibik die Bildungsausgaben pro Kopf der Bevölkerung um etwa 40 Prozent, in Afrika sogar um katastrophale 65 Prozent." [16] Gegenwärtig geht UNICEF davon aus, dass rund 130 Millionen Kinder in den Entwicklungsländern keine Schule besuchen. (Quelle: bundeszentrale für politische Bildung)

Puuh, das ist ganz schön schwere Kost oder? Das alles mal so in Zahlen zu sehen, die Dimensionen zu erfassen, lässt mich geschockt zurück. Bildung und Bildungschancen, der Verbot von Kinderarbeit, der totale Verzicht auf körperliche Gewalt, das Recht auf Schutz, das Recht auf sauberes Wasser und das Recht auf Spiel... für uns Alltag, für so viele Kinder auf der Welt unerreichbar.


Welche Rechte sind Teil der UN-Kinderrechtskonvention?

  1. Das Recht auf Gleichbehandlung und Schutz vor Diskriminierung unabhängig von Religion, Herkunft und Geschlecht

  2. Das Recht auf einen Namen und eine Staatszugehörigkeit

  3. Das Recht auf Gesundheit

  4. Das Recht auf Bildung und Ausbildung

  5. Das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholgung

  6. Das Recht, sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln

  7. Das Recht auf eine Privatsphäre und eine gewaltfreie Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens

  8. Das Recht auf sofortige Hilfe in Katastrophen und Notlagen und auf Schutz vor Grausamkeit, Vernachlässigung, Ausnutzung und Verfolgung

  9. Das Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause

  10. Das Recht auf Betreuung bei Behinderung

1990 ist die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft getreten, die all diese Parameter für ein "kindergerechtes Leben" festlegt, interessant ist, dass Deutschland diese Erklärung erst 2010 unterzeichnet hat... warum?

Das Ausländerrecht gehe vor Kinderschutz, und das sehe eben Abschiebehaft auch bei Kindern- und Jugendlichen vor - nun, ich lasse das einmal unkommentiert mit einem Kopfschütteln so stehen.


Kinderrechte sind immer noch nicht Teil unseres Grundgesetzes - wusstet ihr das? Seit 1993 sprechen sich diverse Parteien für eine Aufnahme in das GG aus... passiert ist aber konkret immer noch nichts.

Mehr Informationen hierzu findet ihr unter: https://kinderrechte-ins-grundgesetz.de


Ich möchte euch an dieser Stelle aus persönlicher Überzeugung (nicht beauftragt) einige Kinderhilfsorganistionen ans Herz legen. Vllt. fallen die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum dieses Jahr einmal ein bisschen kleiner aus und ein Teil des Weihnachtsgeldes fließt in eine gemeinnützige Organisation? Ich finde, wir haben hier alles, viele haben wenig - lasst uns doch ein bisschen von dem "zu viel" abgeben :)


Ich wünsche euch einen wundervollen Tag mit euren starken, großartigen Kindern und euren Liebsten.


terre des hommes, Caritas International, UNICEF, Misereor, Brot für die Welt, amnesty international, Kindernothilfe oder medico international

SUBSCRIBE VIA EMAIL

berlincityfam LOVES you