• Jessica Mertel

#FEMALE PLEASURE - ein Plädoyer für sexuelle Selbstbestimmung

Aktualisiert: 3. Apr 2019




Ich durfte vor einer Woche der Premiere des Films #FEMALE PLEASURE beiwohnen und hatte nun einige Zeit, meine Gedanken und Gefühle zu ordnen – sexuelle Selbstbestimmung... was ist das eigentlich? Und wie selbstverständlich ist diese? Nun, leider ist das gar nicht so ein gängiges Menschenrecht, wie wir in unserer westlichen Welt vielleicht annehmen.


Die Schweizer Regisseurin Barabara Miller hat in Ihrer Dokumentation 5 Frauen aus den verschiedensten Kulturen und Winkeln der Welt begleitet. Leyla Hussein aus Somalia, die in London lebt, Mutter einer Tochter ist und gegen die Beschneidung von Mädchen kämpft, Rokudenashiko, eine japanische Künstlerin, die mit Ihrer „weiblichen“ Kunst wegen angeblicher „Obszönität“ verurteilt wurde, Deborah Feldman, die im New Yorker Stadtteil Brooklyn / Williamsburg als Teil der jüdischen Glaubensgemeischaft der Satmarer Chassiden aufgewachsen ist, Doris Wagner, die, mit 19 Jahren in ein erzkatholisches Ordenskloster aufgenommen, Opfer sexuellen Missbrauchs unter dem Deckmantel der Kirche geworden ist und schließlich Vithika Yadav, die Mitgründerin von „Love matters“ ist, eine Plattform für indische Sexualaufklärung.


Was haben all diese Frauen gemeinsam obwohl sie unterschiedlicher vielleicht nicht sein könnten?

Sie kämpfen für das Recht der Selbstbestimmung, für Freiheit, sie kämpfen gegen Ungerechtigkeiten und Verbrechen an der Weiblichkeit. Und ich empfinde tiefsten Respekt für jede Einzelne von ihnen und darüber hinaus auch für alle Frauen, die für ihr eigenes Geschlecht einstehen und Auswege aus der Unterdrückung suchen.

Die Geschichte von Leyla Hussein hat mich ganz besonders getroffen und während der Vorstellung im Kinosaal auch zu Tränen gerührt. Auf der einen Seite habe ich diese wunderbare, starke Frau gesehen, die auf unmenschliche Art und Weise die Radikalität von Religion in Ihrer eigenen Beschneidung erfahren musste - auf der anderen Seite habe ich eine Mutter gesehen, die wie eine Löwin für das Wohl Ihrer Tochter kämpft und sie vor dem Schicksal, welches sie selbst ereilt hatte, schützen konnte.

Dabei ging mir immer wieder ein Satz durch den Kopf: „ich bin dankbar, dass meine Tochter und auch ich uns nicht mit solch einem Schicksal konfrontiert sehen müssen“.

Was würde ich tun, wenn mein Kind verheiratet werden würde? Wenn ich mein Kind in eine Kinderehe geben müsste, weil es mir meine Glaubensgemeinschaft so vorgibt und ein Ausbrechen aus diesen Mauern unmöglich und unvorstellbar macht? Welchen Schmerz würde ich empfinden, wie sehr würde es mich seelisch umbringen, wenn ich wüsste, dass meine Tochter abgeholt wird, um sie „rein“ zu machen, wenn ich ihre Schreie hören müsste, weil sie verstümmelt wird?


Es sind furchtbare Fragen – aber sie sind real – für so viele Frauen auf der Welt.

Und manchmal gibt es eben Frauen, die es nicht mehr ertragen, im einem so abgrundtief falschen, fundamentalistischen Konstrukt zu leben.

In einer Welt, die immer noch von Fatalismus gezeichnet ist, sind gerade solche Frauen wie Freiheitskämpferinnen für mich. Denn wenn wir nicht füreinander einstehen – wer tut es dann?


Wir sollten unseren Kindern vorleben, was es bedeutet, für sich selbst einzustehen. Welch hohes Gut es ist, in Freiheit leben zu können. Wir sollten unsere Töchter und Söhne stärken und sie zu einer besseren Generation heranziehen. Wir sollten Ihnen Flügel geben, damit sie fliegen können.

Was können wir also tun?


Ich möchte euch an dieser Stelle die MaLisa Stiftung ans Herz legen – „Die MaLisa Stiftung wurde 2016 von Maria und Elisabeth Furtwängler gegründet. Ihr Ziel ist eine freie, gleichberechtigte Gesellschaft. Sie engagiert sich auf internationaler Ebene für die Beendigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. In Deutschland setzt sie sich zudem für gesellschaftliche Vielfalt und die Überwindung einschränkender Rollenbilder ein.“ (Quelle: malisastiftung.org)


Wenn ihr möchtet, dann schaut dort doch einmal vorbei.

malisastiftung


Und mit einem starken Satz schicke ich euch in euer wohl verdientes Wochenende – ihr wunderbaren, selbstbestimmten Frauen da draußen:

„Ich denke, es ist Zeit, daran zu erinnern: Die Vision des Feminismus ist nicht eine "weibliche Zukunft". Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“

Johanna Dohnal, Gastvortrag an der Technischen Universität Wien, WIT-Kolloquium 22. März 2004

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