• Jessica Mertel

Ein Tag im Leben eines Hauptstadt-Papas

Aktualisiert: 3. Apr 2019


Berlincitydad:

Es wird immer mal wieder gefragt wie denn so ein ganz normaler Tag im Leben von berlincityfam aussieht.

Natürlich gibt es nicht den einen Prototyp, der sich ein ums andere Mal täglich wiederholt, aber werktags sehen die meisten Tage doch schon recht ähnlich aus. Und nur darum geht es ja, um den Alltag.



Interessant ist dabei vor allem, wenn man etwas in die Vergangenheit blickt. Sagen wir mal etwa 10 Jahre zurück... damals arbeitete ich noch an der Kleintierklinik der Universität in Berlin und da hatte jeder morgens um 07.30 Uhr in der Frühbesprechung zu sitzen. Dann hieß ich meist Dienst bis 17 Uhr und manchmal noch von 20 Uhr bis zur nächsten Frühbesprechung noch einen Nachtdienst hinterher.... unschöne Erinnerungen. Wenn ich daran zurückdenke, dass ich damals den Tag um 06 Uhr morgens (!!) eingeläutet habe, wird mir heute noch ganz anders. Keine 2 Jahre später - ich verließ die Klinik für ein Leben mit besserer Work-/Life- Balance - war ich gerade frisch selbstständig und ungebunden und lebte so in den Tag hinein. Ausschlafen war an der Tagesordnung und die anschließenden Spaziergänge mit dem Hund hatten Priorität. Nach und nach nahm natürlich die Popularität der mobilen tierärztlichen Lösung zu und mein Tag wurde zunehmend durch Termine bestimmt. Dennoch blieb ausreichend Freiraum für das „Life“.


Wieder 3 Jahre später - mittlerweile in festen Händen - erblickt unser Mädchen das Licht der Welt und der Tagesablauf veränderte sich zunächst kaum, außer dass ich mir natürlich etwas mehr Zeit am Tage nahm, um bei Frau und Kind zuhause zu sein und um helfen zu können. In den ersten eineinhalb Jahre - die Elternzeit - entstanden für mich keine weiteren festen Termine, die es neben der Arbeit einzuhalten galt.Nun schreiben wir das Jahr 2019 - unsere Tochter ist mittlerweile seit 3 Jahren in der Kita und seit 3 Jahren sieht mein Tag nun ganz anders aus. Auch wenn ich meinen ersten Termin frühestens gegen 09:30/10:00 Uhr beginne, heißt es doch immer gegen 06:30/07:00 Uhr  raus aus den Federn, der Biorhythmus eines Kindes unterscheidet sich doch gewaltig von meinem. Die berlincitymum verlässt in der Regel gegen 07.30 Uhr die heimische Casa und dann heißt es für den Rest der Familie Anziehen, Frühstücken, Spielen und noch mit dem Hund Gassi gehen...da kommt man schonmal ins Schwitzen und zum Glück gibts für Papi noch den ein oder anderen Kaffee zwischendurch.Das geht dann in etwa so:


„Papi, ich hab Durst!“

„Wie heißt das richtig?“

„Darf ich bitte etwas zu trinken haben?“

„Aber sicher, gerne doch“

-Trinken wir hingestellt -

„Papi, ich wollte doch das andere Trinken!

„Alles klar, ich bringe dir das andere.“

„Papi, ich möchte bitte einen Frischkäse-Toast“

-Frischkäsetoast wird präpariert und in 3 Streifen geschnitten -

„Hier bitte schön!“

„Danke, Papi...[kurze Pause]..Papi, ich wollte doch kleine Stücke!“

„Warte, ich schneide sie dir durch.“

„Danke, Papi“

„Bitte“„Papi, ich muss Pipi!“

„Alles klar, dann geh schonmal ins Bad.“

„Nein, mit dir.“

„Ok, warte ich möchte nur mal einen Schluck Kaffee trinken.“

„Papi, ich puller mich gleich in die Hose!“

-Kaffee ausgespuckt -

„Looooos, schnell!“

„Puuh, das war noch rechtzeitig.“

„Bist du fertig?“

„Papi, darf ich dir was sagen?“

„Ja“

„Papi, ich möchte heute nicht in die Kita.“

„Ich weiß, mein Schatz, aber nur noch zwei Mal und dann ist schon wieder Wochenende.“

„Ok!“

-Wir ziehen uns an -

„Papiii, der Pullover kratzt auf meinem Arm!“

„Warte,wir ziehen ein langärmeliges T-Shirt an“

-Wir ziehen uns um -

„Papi, ich möchte einen Joghurt essen“

„Aber ich habe dir doch einen Frischkäse-Toast gemacht.“

„Den möchte ich doch nicht.“

„Na klar, hier wird keiner zum Essen gezwungen. Welchen Joghurt möchtest du denn?“

„Ich suche mir einen aus“

„Dann mach mal.“

„Papi, komm schnell, da ist ein Tier [Anmerkung der Redaktion: eine Fliege].“

„Ist nur ein Fliege, die macht nichts.“....


So könnte das noch einige Dialoge weitergehen. Fazit: es gibt immer was tun.

Dann geht es los zur Kita, die zum Glück nur 5-10 Minuten entfernt ist - je nach dem ob es mal wieder Streiks im öffentlichen Nahverkehr gibt oder Baustellen, die Müllabfuhr oder Polizeikontrollen die knappen 2 km Wegstrecke blockieren.Nachdem ich den Drops in der Kita abgeliefert habe fahre ich dann entweder zum ersten Termin oder einkaufen oder nach Hause, um Buchhaltung zu machen. Die Tage sind immer sehr unterschiedlich bezüglich der Auftragslage. Dadurch bleibt mir aber auch immer etwas Spielraum, um alles andere zu erledigen, was neben dem Tiere-Heile-Machen so anfällt. Ist dann der Vormittag und Mittag rum, heißt es auch schon wieder auf zur Kita und das „arme“ Kind (kleiner Scherz) aus den Fängen der Fremdbetreuung zu befreien. Spaß beiseite, natürlich ist das Thema Fremdbetreuung ein stetig präsentes. Aber ohne geht es nicht, wenn beide Elternteile arbeiten und es würde auch einiges fehlen ohne Kita. Den Umfang der Betreuung bzw. die soziale Integration (das Kind hat in ihrem zarten Alter schließlich schon zwei beste Kitafreundinnen - mit allem drum und dran) kann man zuhause einfach auch nicht bieten. Aber unser Spagat war eben von Anfang an, dass sich der zeitliche Umfang der Betreuung im Rahmen halten sollte. So kann ich es gewährleisten, dass wir eben nur maximal 6 (im Ausnahmefall 7 Stunden) in Anspruch nehmen. Das ist eine gute Balance. So bleibt der Nachmittag mit der Familie und unterm Strich passt das super. Selbst für nachmittägliche Aktivitäten wie Ballett oder Ausflüge ist dann noch Zeit. Ich schätze diese Einteilung auch deswegen so sehr, weil ich dadurch die Möglichkeit habe, mein Töchterchen eben einfach mehr als nur kurz morgens vor und abends nach der Arbeit zu sehen. Wir können richtig viele Stunden am Tag miteinander verbringen. Das könnte ich mir nicht mehr anders vorstellen. Natürlich geht das nur, weil wir beide arbeiten und ich durch die Selbstständigkeit deutlich mehr Flexibilität habe als vielleicht in manch anderem Job.



Jedenfalls sind wir dann also ab etwa 15.00 Uhr / 15:30 Uhr zuhause und warten bis Mami gegen 16.30/ 17.00 Uhr in den heimischen vier Wänden eintrudelt bzw. wir uns irgendwo treffen. Meist habe ich mit unserer Tochter dann schon eingekauft (wenn ich morgens nicht war) und fange schonmal an zu kochen. Gemeinsames Abendessen ist uns sehr wichtig, das kenne ich von meinem Kindsein nicht anders. Dann reden wir über den Tag und die Kita und alles war so passiert ist. Bis das Essen aber fertig ist wird erst einmal gespielt: da bietet sich der große Kaufladen, die Holzklötze oder ein neues Bastelabenteuer an. Wenn ich dann aber die große Glock läute und der Duft leckerer Speisen durch die Wohnung zieht, dann muss die Community warten und wir gesellen uns zu Tisch. Nach dem Essen fangen wir dann ganz gemütlich die Vorbereitungen für die Bettzeit an. Schlafanzug anziehen, entspannen oder nochmal richtig toben und dann natürlich die Beißerchen putzen. Nachdem dann der allabendliche und eher spielerische Widerstand gegen das Zubettbringen ausgestanden ist (ist wirklich nur aufgesetzt) ist es dann mit unserem Schatz wirklich ein Kinderspiel. Gut, wir umarmen und mindestens zehn Mal und nachdem dann das Trinken für die Nacht gereicht und alle Kuscheltiere arrangiert wurden, läuft noch eine Geschichte auf der Soundbox und wir hören sprichwörtlich keinen Mucks mehr.


Dann geht es für Mami an das "social-media-Eingemachte". Es heißt, Posts und Stories zu verfassen, Kooperationen anzufragen oder auf Kooperationsanfragen zu reagieren, Mails zu schreiben und Blogartikel zu verfassen. Alles so, dass berlincityfam auch so gut funktioniert wie es das tut. Und trotzdem ist es "nur" ein Hobby. Es ist die Leidenschaft, etwas zu erschaffen - und seien es nur Texte, die euch Freude oder einmal 5 Minuten Auszeit bringen.


Und dann, erst dann,  ist für Mami und Papi Erholungszeit vom Tag angesagt. An manchen Tagen saß ich bis zu diesem Zeitpunkt keine einzige Sekunde und bin dann ganz froh, mich einfach nur noch entspannen zu können - ähnlich schaut es bei der berlincitymum aus. Und diese Entspannung kann dann ganz unterschiedliche Formen annehmen - und ist wohl verdient. Wie wohl bei jeder Mama und Papa da draußen, egal ob als Paar, alleinerziehend, mit einem Kind, einer Großfamlie, mit Arbeit oder ohne... genießt die ruhigen Momente am Abend - denn: ihr macht einen großartigen Job!



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