• Jessica Mertel

Die Sache mit der Freundschaft

Aktualisiert: 3. Apr 2019


Freundschaft - eine verzwickte Angelegenheit

Wenn ich meine Tochter so anschaue und sie mit ihren beiden besten Freundinnen sehe dann denke ich manchmal: war das damals noch einfach.

Da mochte man sich, da stritt man sich, da vertrug man sich wieder und alles ging von vorne los. Einmal geschlossene Freundschaften waren wie in Stein gemeißelt, da konnte selbst der schlimmste Streit um die letzte Gummischnur beim Kiosk nicht dran rütteln.


Und heute?

Was haben wir Freunde gewonnen und verloren in den letzten Jahren. Ein ewig währender Kampf. Und das sollte es eigentlich nicht sein oder?

Jahrelange Freundschaften gingen in die Brüche, weil sich die andere Seite nicht genug wertgeschätzt fühlte oder die falsche Wortwahl getroffen wurde... ich frage mich: waren es die falschen Freundschaften oder erleben die Leute da draußen genau die Gleichen Dinge wie wir?

Hat sich durch unsere Elternschaft alles geändert oder haben sich die Menschen in unserem Umfeld in den letzten Jahren einfach umgedreht?


Nehmen wir mal ein Beispiel: der berlincitydad und ich sind unglaublich gerne Gastgeber. Ich mache mir im Vorfeld tausend Gedanken, was es zu essen geben kann, wie das alles am besten gemanagt wird und fege generalstabsmäßig durch die Wohnung um alle blitzeblank zu bekommen... könnte ja irgendwo ein Staubkorn rumliegen, wenn der hohe Besuch kommt ;)

Der berlincitydad ist da gelassener und übernimmt meistens den Teil des Besorgens und Schleppens – er ist da immer mein ruhender Pol.

Nun kommen unsere geliebten Freunde, wir verbringen wundervolle Abende oder Nachmittage zusammen, essen, lachen, plaudern und träumen... und dann kommt.


Nichts.

Keine Rückeinladung, kein Bemühen.


Wir eruieren dann immer, ob es an unserem Essen lag oder an unserem schlechten Humor (kleiner Scherz), dass wir nicht zurück eingeladen werden... aber mal so unter uns: ging es euch auch schon so? Hattet ihr auch solche Pappenheimer im Freundeskreis, die einfach nicht wissen oder vergessen haben, dass eine Freundschaft aus Nehmen und Geben besteht? Das das Gastgeber-Gast Ping-Pong ganz wunderbar funktionieren kann?


Meine Schwiegereltern leben ein tadelloses Freundschaftskonstrukt. Die beiden sind gefühlt ein halbes Jahr im Vorfeld ausgebucht. Da läuft es nämlich so, dass sie sich in ganz regelmäßigen Abständen mit all ihren Freunden abwechseln: mal ist der eine dran, mal der andere. Das geht auf: viele Freundschaften der beiden existieren seit vielen vielen Jahren.


Was machen die beiden anders? Oder haben sie einfach das Glück, Menschen zu kennen, die selbst gerne Gastgeber sind?...


Ich selbst bin mit Sicherheit nicht die Vorzeigefreundin, das will ich gar nicht beschönigen. Ich bin nur selten auf Nachrichtenportalen aktiv (ich HASSE es da rumzutippen, weil ich nur mit einem Finger auf dem Handy tippen kann (ich kann das irgendwie nicht anders) und dann immer ewig brauche für eine Nachricht – ich verschreibe mich auch immerzu), bin keine Partygranate, weil ich um spätestens 21:00 nur noch halb anwesend bin und mit einem Auge schon Richtung Bett schiele und bin auch echt eine miese Beschenkerin (mir fällt immer nichts gescheites ein und wenn, ist es meistens zu spät). Aber wer einmal in meinem Herzen Platz gefunden hat, der bleibt da auch für immer drin und wenn es hart auf hart kommt, bin ich für meine Freundinnen und Freunde da und ich liebe es eigentlich, für sie zu kochen und besondere Momente zu schaffen.


Ich kann ganz wenige Menschen zu meinen wirklichen Freunden zählen, der berlincitydad wohl auch... und umso älter wir werden, umso kleiner scheint der Kreis derer zu werden, die wir in unserem Herzen tragen und die uns ebenso wertschätzen.

Seit wir unsere Tochter bekommen haben, hat sich außerdem vieles dramatisch geändert.


Unendlich viele Freundinnen sind seitdem bei mir im Nirvana verschwunden, haben sie dann selbst Kinder bekommen, habe ich vielleicht noch einmal etwas von Ihnen gehört, aber... ich glaube, ich war einfach uninteressant geworden für viele damals – stillend, Windeln wechselnd, Babygespräche führend... das hält man so als Nicht-Mutter bestimmt nicht immer aus, ich verstehe das. Und so habe ich viele Mädels ziehen lassen, habe dabei aber auch immer ein stückweit Trauer um unsere gemeinsame Zeit empfunden.


Jetzt ist es anders herum... viele unserer Bekannten und Freunden bekommen oder haben gerade ihr zweites Kind bekommen. Und viele sind seitdem nicht mehr gesehen worden. Als hätte sich der Boden aufgetan und als wären diese lieben Menschen im Geschwister-Loch verschwunden. Wech – auf nimmer wieder sehen... So ist alles ein ewiger Kreislauf – die Singles werden Pärchen, die Pärchen werden Eltern und Eltern bekommen noch mehr Kinder... und irgendwie passen diese Lebensmodelle oft nicht zueinander. Die Erfahrung haben zumindest wir so gemacht.


Was denkt ihr darüber? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder haben wir einfach nur Pech?

Liegt es vielleicht an der Großstadt? – Schaut es in anderen Gegenden Deutschlands oder auf der Welt anders aus?


Wir sind gespannt auf eure Kommentare!

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