• Jessica Mertel

Der letzte Vorhang ist gefallen...

Aktualisiert: 3. Apr 2019


Heute schreibt der berlincitydad:


Wir waren im Zirkus!

Was sich für viele von euch (vielleicht sogar die meisten? Oder die wenigsten?) wohl nicht ungewöhnlich anhört, ist für mich jedoch ein Ereignis gewesen, dass an Seltenheit kaum zu überbieten ist. Sehr selten. Äußerst selten. Sogar so selten, dass ich mich nicht daran erinnern kann, jemals im Zirkus gewesen zu sein.

Nun, muss man ja auch nicht, kann man sich denken.

Schließlich gehen genug Menschen in ihrem Leben auch vielleicht nie zu einem Fussballspiel in ein Fussballstadion oder betreten eine Eisbahn, um sich beim Versuch, cool auszusehen, mächtig den Hintern zu prellen.

Aber: ein Zirkus ist ja nun etwas, was die meisten mit Magie, Clowns, (wilden) Tieren und unglaublich begabten Artisten in schwindelerregenden Höhen verbinden.

Wie hieß es doch so schön in einer jahrzehntelangen Zirkusshow hier in unserem Berlin...“Menschen-Tiere-Sensationen!“.

Jeder verbindet Zirkus mit gewaltigen Feuerfontänen, die aus den Mündern wagemutiger Feuerschlucker geblasen wurden, mit wilden Tigern, die durch brennende Feuerreifen springen, lustige Clowns, die auf viel zu klein geratenen Fahrrädern in schwindelerregenden Höhen unter dem Dach des Zirkuszeltes auf viel zu dünnen Seilen um die Wette fuhren. Natürlich ohne Netz und doppelten Boden! Natürlich!

Dazu Clowns aus aller Welt, die selbst dem größten Griesgram das Wasser in die Augen treiben und Schlangenfrauen, die sich völlig verknotet aus kleinen Hamsterkäfigen scheinbar mühelos befreiten. Möglicherweise ein Zauberer und Magier, der ganze Gebäude (oder vielleicht auch nur einen Hasen) verschwinden ließ. Möglicherweise.

Nun, die Magie, die all dem inne wohnt, dieser Magie kann auch ich mich nicht entziehen; will ich auch gar nicht. Wir alle träumen oder haben davon geträumt, fernab in einer verwunschenen Welt vielleicht als Prinz/ Prinzessin, Zauberer oder Hexe groß raus zu kommen.


Warum also war ich nie im Zirkus?

Natürlich nicht der Menschen wegen, auch nicht der sensationellen Artistik wegen, nein, es geht natürlich nur um die Tiere.

Ich bin so jemand, der in den meisten Fällen nur schwarz oder weiß sieht. Entweder totale Zustimmung und Begeisterung oder eben Ablehnung und Schmähung.

So auch zum Thema Tierhaltung in Zoos und Zirkussen! So, da habt ihr es. Es ist ja nicht nur so ein Gedanke, eine Vermutung, dass Tiere außerhalb ihres natürlichen Lebensraumes nicht wirklich natürlich leben. Den meisten dieser armen Viecher ergeht es genau so! Zeitungsberichte sind voll von Misshandlung und Vernachlässigung von Zoo- und Wildtieren, die unter menschlicher Obhut ihr Dasein fristen.

So sieht die eine Seite aus. Und die bringt mich zum Verzicht.

Nur was bewirkt denn eigentlich mein Verzicht, meine Einbehaltung vom Eintrittspreis, für den jeweiligen Betreiber einer solchen Tierunterbringungseinrichtung?

Pauschal „Gar nichts“ zu sagen, fällt leicht à la „was bringt es schon, wenn nur einer dagegen schwimmt“ (gegen den Strom zahlender Kunden).

Schließlich ist es immer ein Domino-Stein, der am Ende alles ins Rollen (Fallen) bringt. Aber wenn wir ehrlich sind, werden solche Institutionen, die so harmlos und freundlich wirken/ sind, doch dem Konsumenten nicht/niemals das Gefühl vermitteln, sich durch Fernbleiben einer Tierschutzbewegung anzuschließen.

Leider! Denn womöglich keimt dieser Gedanke ja in vielen Köpfen und viele Keimlinge können irgendwann schon etwas bewegen.

Während meines Studium musste ich für 3 Wochen einen Schlachthof besuchen und dort neben tiermedizinischer Fleischbeschau und Fleischkontrolle auch Laborarbeiten durchführen.


Die Arbeit am Schlachthof beginnt mit den Anbringen der zu schlachtenden Tiere. Bei diesem Anblick alleine vergeht einem in direkter Korrelation die Lust auf Fleisch (aber dazu mehr in einem der kommenden Beiträge!).

Worum es mir in dieser Anekdote aber geht, ist die Tatsache, dass mein Praktikum zufällig in das Ende des Schuljahres / den Beginn der Sommerferien fiel.

Und da fährt der Deutsche offensichtlich ganz gerne raus in andere Länder, um entweder dort sein Nackensteak zu verputzen oder vielleicht sogar ganz darauf zu verzichten.

Jedenfalls weiß das auch der liebe Herr Schlachthof, denn pünktlich zum Beginn der Schulferien wurde die Zahl der zu schlachtenden Schweine (800!) einfach mal halbiert (400)! Das muss man sich mal verdeutlichen: ich weiß, dass weniger konsumiert wird, also töte ich mal eben nur Hälfte? Die Hälfte!

Ich sage nur: „Domino-Stein“...

Wie ihr wisst bin ich Tierarzt und per se darauf aus, Tieren zu helfen bzw. deren Leid zu mindern. Nun die Frage an alle: Leiden Tiere in Zoos oder Zirkussen? Gute Frage, nächste Frage. Nein, so leicht ist es nicht.

In der Psychologie (auch die der Tiere) spricht man von Stereotypien; einfach gesagt sind das Verhaltensweisen, die durch alles möglich ausgelöst werden kann.

Habt ihr schon mal in einem Zoo einen Tiger, Löwen oder Eisbären beobachtet wie sie immer wieder dieselben Pfade entlang schlurfen (ohne Rast) oder ihre Köpfe von einer auf die andere Seite werfen als würden sie ein intensives Tennisspiel verfolgen?

Ja? Das sind Stereotypien, Verhaltensstörungen, die mitunter durch das Fehlen eines natürlich großen Reviers bedingt sind.


Das ist nicht schön anzuschauen.


Nun, habe ich ja auch mal zur anderen Seite der Medaille rübergeschielt und der Wissenschaftler in mir weiß ja auch, dass die Erhaltung einer Art mitunter durch die Haltung in menschlicher Obhut garantiert werden kann, weil sie durch den Menschen (immer dieser Mensch) andererseits auch in starke Bedrohung geraten ist.

Wir züchten in Laboren Bakterien und Mikroben zum Einsatz in der Medizin oder um mehr über die Evolution zu erfahren. Ja, diese beschweren sich in der Regel nicht, aber ebenso können wir über die Haltung von Tieren auch deren Fortbestehen sicherer gestalten.

Wenn allerdings manche Tiere durch die nicht-natürliche Haltung angesprochene Stereotypien entwickeln, zeigt das auch auf, dass es wohl nicht für jedes Tier der Beste Weg ist, das Bestehen seiner Art durch die Zootierhaltung aufrechtzuerhalten.

Ich bin abgeschweift, tut mir leid.


Die Analogie zum Zirkus und der damit einer der Gründe warum ich mich entschlossen habe, mit meiner Familie einen Zirkus zu besuchen, ist, mit meinem Eintrittsgeld etwas zum Wohlergehen der Tiere beizutragen. Denn ich gehe davon aus dass dieser eine Zirkus durch mein Fernbleiben soweiso niemals schließen wird (Domino-Stein).

HALT! Ich bin ja schon viel zu weit.

Es fing anders an. Meine erste Frage an berlincitymum war, nachdem sie mir die Idee „Zirkus“ unterbreitete, „gibt es da Tiere?“. Denn eigentlich hätte ich einen Zirkus ohne Tiere bevorzugt. Nun, nur Pferde und Esel, bekam ich zu hören.

Na gut, die sind seit jeher mit die besten Freunde des Menschen, also habe ich zugestimmt. Nachdem ich mich etwas informiert hatte.

Denn, der Zirkus, den wir besucht haben, ist keine zusammengewürfelte Gruppe internationaler Artisten mit verschiedenster Motivation, ihre Arbeit zu machen. Sondern es ist ein Familienunternehmen mit mehreren Generationen, die alle an einem Strang ziehen, die davon leben und die Freude und das Zirkusleben sehr authentisch verkörpern.

Das hatte mich überzeugt.

Also haben wir uns mit dem guten Gedanken, mit unserem Eintrittsgeld zu unterstützen, auf den Weg gemacht.


Und was soll ich sagen: wir wurden nicht enttäuscht!

Ein kleiner Zirkus mit liebevollen Menschen, die das gesamte Spektrum abdeckten. Artisten, Clowns, Magie und Verwandlung. Und die Augen unserer Tochter standen weit offen und sie war hellauf begeistert. Neben dem Unterhaltungswert war ich natürlich auf den Zustand der Tiere gespannt und ich muss sagen, die sahen alle super gut aus. Wohl genährt und ohne Blessuren. In der Pause durften wir sogar direkt zu Tieren und sie uns aus nächster Nähe ansehen. Also, keine Geheimnisse, nichts im Verborgenen. Da war ich ja beruhigt.

Also genossen wir die Show bis zum Ende und amüsierten und prächtig. Zudem hatte berlincitymum noch einen großen Auftritt als sie vom Clown in die Manege geholt wurde und dort ihre schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Zuvor hatte sie dem Clown zu verstehen gegeben, dass er doch mich wählen sollte....haha, wer andern eine Grube gräbt...er suchte nämlich zum Abschluss (nach drei Männern) nur noch eine .. FRAU!


Manege frei!

Eine Tüte Popcorn und 2 Stunden Show später kam dann das große Finale für unsere Tochter. Sie durfte auf Max, einem großen schwarzen Pferd zwei Runden durch die Manege reiten. Das wird sie so schnell nicht vergessen.

Schwarz und Weiß. Doch manchmal sind auch Graustufen in Ordnung. Solange man sich differenziert mit etwas auseinandersetzt, wirft man weder Prinzipien über Bord, noch verwehrt man sich unerwartet schöne Erlebnisse.


Die Zirkus-Ponys

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