• Jessica Mertel

Das sind die häufigsten Fehler beim Elterngeldantrag, die richtig Geld kosten

Gastbeitrag von elterngeld.de

Als frisch gebackene Eltern denkt ihr vermutlich nicht viel an Papierkram. Daher ist es enorm wichtig, dass ihr euch schon möglichst früh in der Schwangerschaft mit Themen wie Elternzeit und Elterngeld auseinander setzt, um die Familienleistung von Anfang an zu bekommen.


Elterngeld bekommt ihr für euer Kind ab der Geburt. Leider nicht automatisch, es ist ein Antrag erforderlich. Spätestens 3 Monate nach der Geburt solltet ihr den Antrag bei eurer Elterngeldstelle einwerfen. Diese zahlt das Elterngeld für maximal 3 Monate rückwirkend an euch aus. Wichtig sind die folgenden 3 Punkte:

  1. Der Antrag auf Elterngeld ist je Elternteil zu stellen

  2. Der Antrag des jeweils anderen Elternteils ist mit zu unterschreiben

  3. Erst nach der Geburt liegen euch alle erforderlichen Unterlagen für die Einreichung vor; bereitet am besten alles, so weit wie möglich, vor der Geburt vor

Basiselterngeld oder Elterngeld Plus?

Eine der ersten Fragen im Antrag betrifft die Bezugsform. Der Unterschied: Beim Basiselterngeld bekommt ihr monatlich mindestens 300 Euro für bis zu 12 Monate je Kind. Das Elterngeld Plus mit 150 Euro gibt es für bis zu 24 Monate je Kind. Es ranken sich viele Mythen um das Elterngeld Plus, beispielsweise, dass ihr es nur wählen könnt, wenn ihr auch in Teilzeit arbeitet. An dieser Stelle sei euch versichert, das ist Quatsch. Ihr könnt Basiselterngeld oder Elterngeld Plus aussuchen. Weiterhin könnt ihr parallel mit dem anderen Elternteil Elterngeld beziehen, sogar unterschiedliche Bezugsformen.


Worauf ihr achten solltet:

  1. Basiselterngeld ist die beste Wahl, wenn ihr nicht in Teilzeit arbeiten möchtet

  2. Elterngeld Plus ist die beste Wahl, wenn ihr im Elterngeldbezug wieder beginnt in Teilzeit (maximal 30 Stunden pro Woche) zu arbeiten

  3. Elterngeld wird nach Lebensmonaten gezahlt, am besten die Elternzeit auch nach Lebensmonaten wählen

Warum ist die Wahl der richtigen Bezugsform so wichtig?

Beim Elterngeld wird ein Hinzuverdienst immer angerechnet. Beim Basiselterngeld führt das ab dem ersten Euro zu einer Kürzung. So kann es also bei einem Hinzuverdienst passieren, dass ihr, anstelle eures einkommensabhängigen Elterngeldes, nur den Mindestbetrag erhaltet. Beim Elterngeld Plus hingegen, kommt es erst ab ca. 50 % des Gehaltes, im Vergleich zum Verdienst vor der Geburt, zu einer Kürzung.


Partnermonate

Partnermonate können in Form von Basiselterngeld, Elterngeld Plus, oder einer Mischung aus beidem genommen werden. Diese Monate beantragt ihr durch das Ankreuzen der gewünschten Bezugsform für die entsprechenden Lebensmonate. Es sind keine „extra“ Felder dafür vorhanden. An dieser Stelle läuft häufig Folgendes verkehrt:

  1. Oftmals verfällt dieser zusätzliche Anspruch, weil der Elternteil, der nicht überwiegend in Elternzeit geht, nur Urlaub nimmt (Urlaub ist keine Elternzeit, dazu später mehr)

  2. Es wird nur ein Monat Elternzeit genommen, in der Folge gibt es leider kein Elterngeld (mindestens 2 Monate erforderlich)

  3. Die Entscheidung, die Partnermonate in Anspruch zu nehmen, fällt zu spät (z. B. nach dem 14. Lebensmonat, oder weit nach dem Ende des Elterngeldbezuges des anderen Elternteils)

Der Partnerschaftsbonus

Neben den Feldern für Basiselterngeld und Elterngeld Plus, gibt es Felder für den Partnerschaftsbonus. Dieser wird oft vertauscht mit den Partnermonaten. Der Unterschied, sowie das Risiko, die Voraussetzungen bei einer Verwechslung nicht zu erfüllen, ist groß. Um beim Partnerschaftsbonus 4 weitere Monate Elterngeld Plus je Elternteil zu erhalten, müssen beide Elternteile in 4 aufeinanderfolgenden Monaten zwischen 25 und 30 Stunden erwerbstätig sein. Erfüllt nur einer von euch die Vorgaben nicht, müsst ihr beide (!!) den kompletten (!!) Bonus zurückzahlen. Achtet auf die folgenden Punkte:

  1. Die Wochenarbeitsstunden zählt die Elterngeldstelle je Lebensmonat, nicht je Kalendermonat (es sei denn euer Kind ist am 1. eines Monats geboren)

  2. Urlaubs-, Krankheits- und Feiertage werden mit einberechnet. Diese zählen mit der vertraglich vereinbarten Stundenzahl zu den Wochenarbeitsstunden

  3. Kommt es in diesen Partnerschaftsbonusmonaten zu einer längeren Erkrankung ohne Lohnfortzahlung (mehr als 6 Wochen krank) entfällt der Bonus

Urlaub statt Elternzeit - keine Gute Idee

Gerade bei Vätern ist es häufig so, dass sie lieber Urlaubstage nehmen und keine Elternzeit. Gleiches gilt aber auch für Mütter: Urlaub ist keine Elternzeit. Das ist höchstrichterlich vom Bundessozialgericht entschieden worden. Das Elterngeld ist eine sogenannte Lohnersatzleistung. Nehmt ihr Urlaub statt Elternzeit, bekommt ihr euer Gehalt regulär ausgezahlt (bezahlter Urlaub) Für diese Zeit besteht kein Anspruch auf eine Lohnersatzleistung wie das Elterngeld, da es kein Gehalt zu ersetzen gibt. Oft läuft Folgendes schief:

  1. Ihr nehmt erst euren Resturlaub anstelle von Elternzeit

  2. Ihr bekommt noch Elterngeld, und verlängert eure Elternzeit mit Urlaub, anstelle die Elternzeit regulär zu verlängern

  3. Der Arbeitgeber drängt euch dazu, dass ihr euren Urlaub noch vor dem Mutterschutz/der Elternzeit nehmt, weil dieser sonst verfällt (stimmt nicht!)

Zu Punkt 3: Euer verbleibender restlicher Erholungsurlaub, den ihr vor dem Beginn der Elternzeit nicht vollständig nehmen konntet, kann auf das laufende oder nächste Urlaubsjahr nach Ende der Elternzeit übertragen werden.



Die Höhe des Elterngeldes beeinflussen

Wenn ihr gerade erst den positiven Schwangerschaftstest in den Händen haltet, ist genau der richtige Zeitpunkt gekommen, um den ersten Schritt in Sachen Elterngeld zu gehen. Allerdings funktioniert dieser Kniff nur, wenn ihr verheiratet seid. Mit einem Steuerklassenwechsel noch vor dem ersten Ultraschall beeinflusst ihr die Höhe des Elterngeldes. Derjenige von euch, der überwiegend in Elternzeit gehen wird und das Elterngeld beantragt, wechselt in die Steuerklasse III. Der andere bekommt automatisch die Steuerklasse V. So habt ihr in der Zeit vor der Schwangerschaft möglicherweise monatlich etwas weniger Netto zur Verfügung. Dies gleicht sich mit der Steuererklärung wieder aus. Was dabei wichtig ist:

  1. Die neue Steuerklasse muss mindestens in 6 Monaten vor Beginn des Mutterschutzes vorliegen (sonst zählt der Wechsel nicht für das Elterngeld)

  2. Wechselt die Steuerklasse nicht zu früh zurück (erst zum Monat in dem der Mutterschutz beginnt)

  3. Wenn ihr kurz vor oder während der Schwangerschaft geheiratet habt, könnt ihr auf dieses Datum rückwirkend (!) die Steuerklasse wechseln.

Apropos Steuererklärung. Das Elterngeld ist steuerfrei. Es wird aber „durch die Hintertür besteuert“. Durch den sogenannten Progressionsvorbehalt kommt es in den Jahren mit Elterngeldbezug zu einer Steuernachzahlung bzw. einer geringeren Steuererstattung als sonst. Plant das unbedingt während des Elterngeldbezuges mit ein. Legt monatlich am besten ein paar Euro dafür auf die hohe Kante.

Bei elterngeld.de helfen wir werdenden Eltern, die beste Elterngeldkonstellation zu wählen, klären Probleme und verhelfen den Eltern zu mehr Elterngeld. Schau dir am besten unseren Elterngeldkurs und unsere Elterngeldberatung an, wenn dich das Thema interessiert.

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