• Jessica Mertel

Achtsam sein - der Weg zu mehr Gelassenheit! Tipps für mehr "Om" im Mama- und Papa-Alltag


Es prasseln auf Spielplätzen, an Supermarktkassen oder auf der Straße häufig Sätze wie „jetzt trödel nicht so“ oder „jetzt reicht es mir aber“ gerne gefolgt von „wenn du nicht... dann“ auf mich ein, jeden Tag schnappe ich diese Gesprächsfetzen auf – und sie tuen selbst mir weh, meinem kindlichen Ich. Da stand wohl so manch einer ganz hinten in der Schlange, als Empathie oder kindliches Verständnis verteilt wurde. Dabei ist ein achtsamer, wacher Eltern-Geist das grundlegende Konstrukt für eine gesunde, soziale Entwicklung der Kinderpsyche. Nur... ich selbst nehme mich von dem nicht-achtsam-sein gar nicht aus – ich komme selbst oft an meine Grenzen...

Doch holen wir einmal ein wenig aus und schauen uns an, was Achtsamkeit eigentlich überhaupt bedeutet. Achtsamkeit stammt aus der buddhistischen Lehre und verhilft zu mehr Lebensfreude, Selbstvertrauen und Gelassenheit. Scheinbar also ein win-win-Situation für alle beteiligten Seiten. Nur warum fällt es uns oft so schwer, achtsam mit uns und vor allem unseren Kindern umzugehen?


Ein kleines Beispiel gefällig aus unserem Alltag? Nun, der Mann an meiner Seite ist so ein tief verwurzelter, stattlich gewachsener Baum, den nur selten etwas aus dem Gleichgewicht bringt – er schwankt vielleicht mal hier und da, findet aber stets zu seiner Mitte. Ich dagegen bin häufig ein wahres Pulverfass – vollgepackt mit all den Emotionen, die ich oft nicht an die Oberfläche lasse. So packe ich fein säuberlich all den Frust aber auch all die Freude in ein großes Knallbonbon, schnüre beide Enden fein säuberlich zu und funktioniere erstmal artig weiter. Job, Familie, Haushalt, Kochen, basteln, backen, wischen, schrubben, schreiben, fotografieren, bloggen, Geburtstagsgeschenke kaufen... eine schier endlose Liste. Wo haben da die großen Gefühle und Emotionen Platz? Eben... vielleicht nicht gerade vor dem Trockner, der dringend ausgeräumt werden will.

Und nun ist dieses quitschbunte Bonbon kurz vor dem Platzen – da kommt das Kind mit in Fingerfarbe getunkte Hände und Unterarme (und ich meine so komplett bis zum Ellbogen) um die Ecke um mir zu erklären, dass die Wand nun einen farbigen, kleinen Höhepunkt besitzt – war vorher doch auch so unendlich, langweilig weiß.

Mein achtsames Ich hätte jetzt mit Verständnis und eben... Achtsamkeit reagiert. Mein realitätsgeplagtes Mutterseelchen aber explodiert. Und die ganzen angestauten Emotionen prasseln auf meine Familie ein. Und ich mag mich selbst gar nicht. Und die Situation auch nicht. Kennt ihr so einen Moment? Und kennt ihr auch das Gefühl, wie ihr schon in der Sekunde, wo die Sicherung durchbrennt, die Wut verteufelt, die sich in eurem Bauch breit macht? Ja? Was also tun? Gibt es Wege, um Achtsamkeit zu lernen?

Zunächst ist es ratsam, einmal inne zu halten. Und uns bewusst zu machen, was uns ausbremst: die Negativität. Genetisch sind wir nämlich so gepolt, dass wir unterbewusst erst einmal auf die drohende „Gefahr“ fixiert sind. Unser Uhrzeit-Mensch im Innern muss halt alle Eventualitäten ausschließen und die manifestieren sich eben in Säbelzahntiger, Feuer und todbringende Naturgewalten. Also viel NEIN und eher wenig JA. Das diese Gefahren in unserer heutigen Gesellschaft keine Rolle mehr spielen interessiert den Uhrzeit-Mensch nicht wirklich und so wandeln wir angespannt und griesgrämig durch die Gegend. Der Alltag bietet wenig Möglichkeiten, wirkliche Gefahren abzuwehren, da sie schlicht und einfach nicht mehr da sind. Also wird die Gefahr in meinem Fall in den extrovertierten Farbexperimenten meines Kindes gesucht – Flucht oder Angriff? Ich entscheide mich für die letzte der beiden Möglichkeiten und schieße um mich. Doof.


Was tun? Fangen wir damit an, uns ein wenig etwas von unseren Kindern abzuschauen. Die sind nämlich wahre Meister in der Kunst der Achtsamkeit.

Meine Tochter und ich haben letztes auf dem Weg von der Kita nach Hause für einen 20 Minuten Fußweg geschlagene 2 Stunden gebraucht. Warum? Weil ich mich auf sie eingelassen habe. Auf all die kleinen Wunder, die sie mir auf dem Weg gezeigt hat. Jede einzelne Blume wurde bestaunt, jedes Schneckenhäuschen wurde entdeckt und jeder Regenwurm gestreichelt. Und kam ich abgehetzt und gestresst nach Hause? Nein! Ganz im Gegenteil. Da meine Tochter mich in Ihre kleine, bedeutende Welt mitgenommen hat war auch ich ganz im Hier und Jetzt und habe Dinge gesehen, die mir vorher verborgen geblieben sind. Die Gelassenheit, die ich aus diesem Erlebnis zog, strahlte noch lange weiter in den Abend hinein und ich ging später sehr entspannt schlafen.

Nehmt kleine Momente als etwas Großes wahr. Lebt den Moment – und sei es, mit euren Kindern zu backen oder Geschichten zu lauschen. Die kleinsten Momente können oft die größte Tragweite für euer Seelenheil haben.


Das zweite große Thema ist meiner Meinung nach die Kommunikation und die Empathie. Da kommen wir auch wieder zurück zum Anfang des Textes. Denn nichts stärkt und schwächt so sehr wie die richtigen oder eben die falschen Worte. Worte sollten aufbauen, Worte sollten ermutigen und auch auffangen. Worte sollten Heilung sein und nicht verletzen. Gerade Kinder glauben unseren Worten – sie kennen nur unsere Wahrheit. Wir sollten versuchen unsere Kommunikation ebenbürtig zu gestalten – weniger du musst, mehr du kannst.


Und weil der Alltag uns manchmal schier zerreißt und auch unsere Kinder den Spagat zwischen Kita / Schule – Freundschaften - und dem Elternhaus meistern müssen haben wir für euch hier ein paar Achtsamkeitsübungen zusammengefasst, die wir selbst gerne anwenden:


1. Atmet einfach mal ganz bewusst ein- und aus. Spürt, wie die Luft eure Lungen füllt und wieder entweicht, um in die Welt getragen zu werden.
2. Hört in euch hinein. Fühlt euren Körper. Bemerkt die kleinen Wunder, die euch geschenkt wurden.
3. Lasst unangenehme Gedanken ziehen – konzetriert euch auf das Sein und schiebt die Gedanken, auch imaginäre, weiter – lasst einfach mal los.
4. Esst bewusst – schmeckt jede einzelne Nuance und malt Bilder in eurem Kopf

Probiert diese Übungen doch einmal gemeinsam mit euren Kindern aus. Verändert sich etwas für euch? Prallt der Alltag an euch ab?


Lasst uns gerne wissen, welche Erfahrung ihr mit dem Thema Achtsamkeit gemacht habt oder welche Momente es euch schwer machen, achtsam mit euren Liebsten oder auch euch selbst umzugehen.


In diesem Sinne: Namasté

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